Achtung langer Text…
Der Frust im Tierschutz wächst und positive Erlebnisse werden immer seltener. Der Tierschutz hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wo vor einiger Zeit noch erfüllende Momente im Vordergrund standen, dominieren heute negative Erfahrungen zunehmend den Alltag.
Allein in der vergangenen Woche erreichten uns etwa 20 Anfragen zur Abgabe von Tieren. Die Gründe dahinter sind erschreckend und zeigen oft wenig Verantwortungsbewusstsein:
- Ein Hund, der geschnappt hat, muss sofort weg.
- Ein anderer soll abgegeben werden, weil keine Zeit mehr für ihn bleibt.
- Anfragen über den Facebook-Messenger lauten: „Ich habe zwei Katzen abzugeben, wann kann ich die bringen?“ Ohne Begrüßung, Namen oder Telefonnummer. Derartig unpersönliche Nachrichten beantworten wir nicht.
- Täglich werden uns Katzen zur Abgabe angeboten, oft nicht einmal ein Jahr alt. Die Begründungen sind vielfältig: Zeitmangel, Umzüge in Wohnungen, in denen Tierhaltung verboten ist.
- Besonders verstörend ist es, wenn Menschen ins Tierheim kommen und einen großen, freundlichen Hund gegen einen Kleinen eintauschen wollen.
- Immer wieder kommen Kitten bei uns an, mit der Erklärung, sie seien „auf einmal da“ man hätte ja nicht gewusst…
- Dazu gesellen sich viele vermeintlich „gefundene“ Katzen, die jedoch oft gepflegt wirken – im guten Ernährungszustand, sauber, und in einem Fall sogar nach Parfüm riechend.
Dennoch sind viele der Tiere krank und verursachen für uns immense Kosten – sei es durch Bein- und Nabelbrüche oder Augen- und Nasenoperationen. Oftmals sind diese Tiere nicht kastriert, was die Herausforderungen zusätzlich verschärft.
Wir schätzen Menschen, die uns um Unterstützung bei der Vermittlung ihrer Tiere bitten, anstatt sie einfach im Internet zu verschenken oder zu verkaufen. Doch dies erfordert Zeit und Zusammenarbeit, was viele nicht aufbringen möchten. Häufig brechen solche Personen den Kontakt nach Beratung und Hilfsangeboten ab, nur um die Tiere kurze Zeit später auf bekannten Plattformen zur Abgabe einzustellen.
Unser Verein betreibt kein Tierheim mit festen Unterbringungsmöglichkeiten.
Bei jedem Anruf müssen wir mühsam überlegen, wie und ob wir die Tiere unterbringen können. Oft fordern wir Bilder und Beschreibungen an; etwa ein Drittel der Tierhalter nimmt unsere Hilfe an, sodass wir verfügbare Plätze suchen können. Vom Rest hören wir häufig nichts mehr – die Frage bleibt: Was geschieht mit diesen Tieren? Manchmal haben wir sehr nette Interessenten für die Vermittlung eines Tieres gefunden, nur um festzustellen, dass es bereits abgegeben wurde – ohne Rückmeldung an uns. Solche Situationen sind frustrierend, da wir zuvor viel Zeit investiert haben – in Gespräche mit Interessenten, das Versenden von Vorkontrollbögen oder das Inserieren der Tiere auf Plattformen. Zusätzlich beeinträchtigt dieses Vorgehen unsere Glaubwürdigkeit bei neuen Interessenten.
Die Nachfrage nach „Babykatzen“ nimmt ebenfalls absurde Formen an: Anfragen wie: „Ich möchte eine Babykatze, wann kann ich die abholen?“ oder „Ich brauche eine Katze in bestimmter Farbe als Geburtstagsgeschenk“ erreichen uns regelmäßig. Manche verlangen kostenlose Kitten oder wollen sie zu Spottpreisen erwerben – manchmal sogar aus Nachbarländern wie der Schweiz, mit absurden Angeboten wie „100 Euro für eine Babykatze inklusive Lieferung“. ![]()
Finanzielle Unterstützung wird ebenso häufig angefragt – mindestens zwei- bis dreimal wöchentlich sollen wir Impfungen, Zahnsanierungen oder Operationen übernehmen. Noch dazu kommen Notfälle: Katzen, die wegen offener Balkontüren oder Fenster aus dem dritten Stock gefallen sind, erfordern Kosten von 2500 Euro und mehr für Behandlungen.
Tierarztpraxen wenden sich an uns, wenn Besitzer die Behandlungskosten nicht tragen können und eine Einschläferung erwägen. Kürzlich erst bei einem Kitten mit einem Beinbruch.
Wir helfen ausschließlich bei lebensbedrohlichen Notfällen oder wenn kein Besitzer ermittelbar ist – wie nach einem Fenstersturz mit schweren Verletzungen.
In einem Fall traten wir mit 2500 Euro in Vorleistung und übernahmen das Tier nicht nur zur Erstversorgung, sondern brachten in eine Klinik zur Behandlung und Tage später zurück zu den Besitzern. Leider erhielten wir keinerlei Rückezahlung für die erbrachten Zahlungen.![]()
Solche Erlebnisse sind und zeigen nicht auf, welche Belastung solche Summen für unsere Organisation darstellen, sondern auch wie man mit uns umgeht.
Sieben Tage die Woche im Einsatz für Notfälle mit Wildtieren, Tauben und Kitten. Fahrten ohne Ende und Tierarztrechnungen in schwindelerregender Höhe.
Es gibt Tage, an denen man sich fragt, ob das wirklich der Tierschutz ist, den wir uns ursprünglich gewünscht haben.
Hinzu kommt, dass man selbst noch bedroht wird, weil man angeblich nicht geholfen hat – beispielsweise bei frei lebenden Katzen. Zehn Fallen sind ständig im Einsatz, um gemeldete Tiere (oft ganze Bestände) einzufangen und kastrieren zu lassen. Doch ohne die Mithilfe derjenigen, die diese Katzen teilweise schon lange beobachten und füttern, bevor es plötzlich sechs, acht oder zehn Tiere werden, ist dies nicht zu bewältigen. Wir liefern die Fallen aus, erklären deren Nutzung und erwarten dann Unterstützung vor Ort. Wenn eine oder mehrere Katzen in den Fallen sind, holen wir sie ab, lassen sie kastrieren, lassen sie kennzeichnen und bringen sie zurück. Die Tierarztkosten übernimmt selbstverständlich der Tierschutzverein. Oft passiert es jedoch, dass die Leute verlangen, die Katzen nicht zurückzubringen, was aber nur in seltenen Fällen machbar ist. Unsere Unterstützung besteht ausschließlich darin, die Fallen bereitzustellen, zu erklären und die Tiere zur Kastration abzuholen. Es ist uns schlicht nicht möglich, vor den Fallen zu warten und mit den Menschen zusammen stunden- oder tagelang darauf zu hoffen, dass ein Tier gefangen wird. Diese Menschen kennen die Tiere schließlich oft seit langer Zeit und kümmern sich um sie und sind in der Verantwortung, nicht wir.
In dieser Woche mussten wir leider schwerwiegende Vorwürfe hinnehmen. Bereits im Juli hatten wir eine Falle gebracht – doch obwohl nichts unternommen wurde und kein einziges Tier eingefangen war, wurden wir dafür verantwortlich gemacht. Sprüche wie „Das soll Tierschutz sein?“, „Wir bringen euch in die Zeitung!” oder “Ihr seid doch zuständig!” hören und lesen wir nur allzu häufig.
Hierzu wollen wir etwas erklären: Alles, was wir tun, geschieht freiwillig und ohne jegliche Verpflichtung. Wir sind weder „zuständig“ noch haben wir offiziell festgelegte Pflichten. Unsere Unterstützung erfolgt ausschließlich im Rahmen dessen, was uns in unserer Freizeit neben Familie, Beruf, eigenen Tieren, zahlreichen Pflegetieren sowie ständig anfallenden Einsätzen und Tierarztbesuchen freiwillig und ehrenamtlich möglich ist.
Zurzeit betreuen wir beispielsweise über 25 Kitten – das muss auch finanziell und zeitmäßig für den Verein tragbar bleiben.
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch Momente, die uns motivieren: die vielen netten Interessenten und die neuen Besitzer unserer Kitten. Oder wenn wir für alte Tiere wie zuletzt für Cooper einen Platz gefunden haben. ![]()
Ebenso Projekte wie unser Lockschuppen, der Einsatz für Stadttauben motivieren uns, weiterhin alles zu geben.
Der größte Dank gilt jedoch all den liebevollen Pflegestellen, die unsere Kitten großziehen; den Menschen, die alte und kranke Tiere aufnehmen – während der Verein die Kosten trägt; sowie den unermüdlichen Helfern, die ihre Freizeit opfern und sich täglich ohne Bezahlung oder Anerkennung für Tiere einsetzen. ![]()
Ohne diese engagierten Unterstützer wäre Tierschutz in dieser Form nicht möglich. Was wäre diese Stadt ohne den Tierschutz, den wir hier täglich leisten?
Hier ein kleiner Ausschnitt über unsere Tierschutztiere, die wir versorgt und vermittelt haben – in vorübergehende Pflegestellen oder an Pflegestellen, die einem alten Tier noch mal ein Zuhause schenken.














Fotos: Tierschutzverein Hagen